84, Charing Cross Road – Helene Hanff

CoverEs stand da so unschuldig im Buchständer herum, ich musste es in die Hand nehmen. Und der Klappentext sorgte dafür, dass dieses viel zu kleine Büchlein mitgenommen wurde. Es geht um Helene Hanffs84, Charing Cross Road“.

In diesem Buch dokumentiert Hanff einen real stattgefundenen Briefwechsel zwischen ihr und dem Londoner Antiquariat in der 84, Charing Cross Street. Kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges fragt sie, wohnhaft in New York, schriftlich nach einen ganz bestimmten Buch. Und es soll nicht lange dauern, da antwortet ihr der angestellte Buchhändler Frank Doel. Später kommen einige weitere Personen, bzw. deren Briefe hinzu. Continue Reading →

Ritter und Raufbolde – Martin Clauss

Ritter und Raufbolde, Cover, © Primus VerlagGelesen und für gut befunden, aus der Serie “Geschichte erzählt”: Ritter und Raufbolde, Martin Clauss, Primus Verlag

Jüngst bin ich in der Abteilung “Geschichte des Mittelalters” über das kleine Büchlein Ritter und Raufbolde von Martin Clauss gestolpert. Dieses Buch bewegt sich jenseits der Geschichten um tapfere Ritter, Heldentaten, usw. heutzutage immer wieder gern einmal romantisch verklärt. Clauss beschreibt verschiedene Aspekte, nicht nur des Rittertums sondern eher der bewaffneten Auseinandersetzungen insgesamt. Er beleuchtet, teilweise recht detailliert, die Auswirkungen auf das Leben der Menschen im Mittelalter und erlaubt einen Blick auf die tatsächlichen Gräuel, welche mit der Mittelaltermarktsherrlichkeit heutiger Tage wenig zu tun haben [1].

Verschiedene Waffen werden – in optisch dezent hervorgehobenen Blöcken – beschrieben, ihre Bedeutung, Verbreitung und Wirkung dargelegt. Dabei dürfen auch Armbrüste und Langbogen nicht fehlen.

Ich habe dieses kleine Buch recht lieb gewonnen. So sehr viel Neues war nicht zu finden, trotzdem fand ich “Ritter und Raufbolde” aufgrund des Stiles und der Art der thematischen Aufarbeitung sehr interessant und kurzweilig zu lesen. Auch die schöne Aufmachung, insbesondere der sorgfältige Satz und ein heute eher selten gesehenes, hochwertiges Papier machen das Buch zu einem kleinen Schmuckstück.

Der aktuelle Titel des Monats, Ritter – Der aktuelle Karriereführer von Michael Prestwich muss besorgt werden. Daran führt kein Weg vorbei. :)
Zitat:

Michael Prestwichs Leitfaden für Ritter in spe ist voll von authentischen Tipps zum Rittertum und zu mittelalterlichen Karrierechancen. Wir erfahren, wie man in höhere Ränge aufsteigt (Tapferkeit), wo man seine Rüstung kaufen soll (Italien), wie man Frauen behandelt (ergeben und mit Vorsicht), Schlachten gewinnt („spielen Sie nicht den Helden“) und vieles mehr.

[1] Nichts gegen Mittelaltermärkte, diese haben einen hohen Unterhaltungswert und ganz sicher ihre Berechtigung.

Wolf Haas – Der Brenner und der liebe Gott

Titelbild "Brenner und der liebe Gott"Wie abgefahren ist dass denn? Wo soll ich denn da nur anfangen? Mit dem Inhalt? Ok:

Inhalt

Simon Brenner, Ex-Polizist, Ex-Detektiv arbeitet als Chauffeur für einen recht erfolgreichen Bauunternehmer und dessen Frau, Betreiberin einer kleinen Abtreibungsklinik in Wien. Der Baulöwe hat ein Büro in München, eine “Almhütte”, gemeinsam haben der Herr und die Frau Doktor eine kleine Tochter, Helena, 2 Jahre alt.

Und der Brenner, ja der düst zwischen Wien, München, Kitzbühel hin und her, die kleine Helena meist als Beifahrerin in ihrem Kindersitz dabei. Die mögen sich, die kleine Helena und der Brenner. Klar, der Brenner macht sich so seine Gedanken, wie das wohl ist für die kleine Helena, quasi in der Linousine, mit dem Fahrer als Kindermädchen aufzuwachsen. Und er mag sie, genauso, wie Helena den Brenner mag.

Eines schönen Tages, der Brenner muss kurz tanken, genehmigt sich einen Espresso und kauft der Helena trotz der Missbilligung von Frau Doktor etwas Schokolade, ist die Helena verschwunden, weg, spurlos. Und nachdem der Brenner seine Erschütterung und Desorientierung überwunden hat, da macht es sich auf die Suche nach dem Kind…

Am Ende dieser Suche sind sieben Menschen tot, der Brenner braucht einen neuen Job, und die Helena, ja was mit der Helena ist, dass müsst Ihr schon selbst lesen.

Äußerst speziell ist der Stil dieses Romanes. Die Geschichte wird nämlich von einer Person erzählt, welche anscheinend über viele “Insider”-Informationen verfügt. Und es scheint, dieses Erzählen findet in einer Kneipe statt, oder auf einer langen Bahnfahrt. Dabei nimmt der Erzähler kein Blatt vor den Mund, kommentiert, erklärt aus seiner schrägen Sicht der Dinge heraus, bewertet nach Herzenslust …. das ist der Hammer. Ganz ehrlich, voller Begeisterung dachte ich mitten im Lesevergnügen: “Der Haas hat ja einen an der Waffel, anders geht so etwas doch gar nicht.”.

Dieser Roman ist der erste Roman über den Brenner (und von dem Haas). den ich gelesen habe. Dabei gibt es davon ganz viele, allein neun mit dem Brenner. Und die nehme ich mir jetzt vor, eines nach dem anderen. Mit großer Vorfreude!

Wolf Haas
“Der Brenner und der liebe Gott”

224 Seiten
Hoffmann und Campe
ISBN-10: 3455401899
ISBN-13: 978-3455401899

Ein Lied von Eis und Feuer – Der nächste Band

Titelbild "A Dance with Dragons"Am 12. Juli erscheint, zumindest in englischer Sprache, der neueste Band aus “Ein Lied von Eis und Feuer”. Der Titel lautet “A Dance with Dragons” (Ein Tanz mit Drachen). Laut George R.R. Martin hat er lange für diesen Teil gebraucht, große Abschnitte wieder und wieder neu geschrieben:

It’s enormous. It’s as long as A Storm of Swords. It’s very complicated. I have a lot of characters and points of view. And I’ve been doing a ton of rewriting, trying to get it where I wanted it to be. Some of these chapters I’ve rewritten more times than I can count before I’m satisfied with them.

Quelle

Herausgekommen ist ein Buch, dessen Umfang in etwas dem Sturm der Schwerter entspricht, über 900 Seiten, auf denen uns laut Martin unter anderem Daenerys, Jon Snow, und Tyrion wieder begegnen, welche ja in dem letzten Band zugunsten anderer Figuren wie z.B. Brienne etwas zu kurz kamen. Außerdem kündigt George R.R. Martin an, dass neue Charaktere, welche bisher eher Randfiguren waren, weiter in den Mittelpunkt der Geschehnisse rücken.

Weihnachten und Neujahr fallen also doch auf einen Tag. Oder mit anderen Worten: Remember, remember, the 17th of July… ;)

Philip Roth – Nemesis

Titelbild "Nemesis"Gerade lese ich das wunderbare “Nemesis” von Philip Roth. Genauer: Noch einmal nach Feierabend Richtung Heimat fahren, dann bin ich fertig. Danach werde ich an dieser Stelle noch ein paar Worte zu dem Buch verlieren. (03.03.2011) Fertiggelesen:

Inhalt

Newark, 1944. Bucky Cantor, ist 23 Jahre alt, Junglehrer und hat im außergewöhnlich heißen Sommer die Ferienaufsicht über einen Sportplatz übernommen. Alles scheint ganz harmonisch zu sein, da weiten  sich die alljährlich auftretetende Polio-Erkrankungen zu einer Epidemie aus. Kinder sterben, Kinder werden für den Rest ihres Lebens an die eiserne Lunge gefesselt sein. Eltern haben Angst, die Angst nimmt teilweise hysterische Züge an. Und inmitten von Angst, Verzweiflung und dieser allgegenwärtigen Hitze ist Bucky Cantor der Fels in der Brandung. Er hält den Betrieb des Sportplatzes aufrecht, beruhigt besorgte Eltern, steht den Kindern und Jugendlichen zur Seite.

Doch schon bald zeichnet sich ab, dass Bucky in diesem Sommer seiner ganz persönlichen Nemesis begegnen wird. Und diese mündet gegen Ende des Buches in der Erkenntnis, dass Bucky Gott nur noch als heilige Zweifaltigkeit betrachten wird: Als Arschloch und Verräter.

Was soll ich noch groß sagen: Lesen! Wie kann man nur so schreiben? Wohl nicht umsonst gilt Philip Roth als einer der bedeutensten amerikanischen Schriftsteller der Gegenwart. Es würde mich übrigens nicht wundern, wenn “Nemesis” zur Standardliteratur des fortgeschrittenen Gymnasialunterrichts wird… naja, ok, eventuell an der Uni, wenn es um moderne amerikanische Literatur geht. Und bevor ich das vergesse: Die Übersetzung durch Dirk van Gunsteren ist herausragend.

Und weil das Stück in “Nemesis” immer wieder vorkommt … “I’ll be seeing you”, allerdings in einer schönen, modernen Version von Iggy Pop und Francoise Hardy. :)

Philip Roth
Nemesis

224 Seiten
Verlag: Hanser
ISBN-10: 3446236422
ISBN-13: 978-3446236424

Jeffery Deaver – Allwissend

Jeffrey Deaver - Allwissend CoverJeffery Deaver schreibt wie am Fließband. Mit “Allwissend”  ist bei Blanvalet der zweite Band seiner Kathryn Dance-Reihe erschienen. Und für mich ist es sicherlich das letzte Buch von Deaver, welches ich gelesen habe. Etwas hat mich früher schon, in den Bänden mit Lincoln Rhyme arg gestört. Die Fälle sind interessant konstruiert, abwechslungsreich und bieten viele Überraschungen.

Allerdings ist die Zeichnung der Figuren  gruselig.  Ich weiß gar nicht, welche Attribute ich anwenden soll? Oberflächlich amerikanisch? Klischee behaftete Abziehbilder? Bah, es nervt.

Eines von ganz vielen Beispielen aus “Allwissend”. Zuvor muss man wissen dass der Mann Ehemann, Vater und Großvater ist. Sein Leben scheint in geregelten Bahnen zu verlaufen und er hat sich offfensichtlich nie etwas zu Schulden kommen lassen. Ganz nebenbei handelt es sich um den Vater der Ermittlerin Kathryn Dance. Gerade eben wurde seine Frau unter dem Verdacht der illegalen  Sterbehilfe verhaftet. RUndherum tobt es, Demonstranten, Presse, Polizei und Staatsanwaltschaft. Und was schreibt Deaver, beziehungsweise übersetzt Thomas Haufschild?

Er wandte sein gutaussehendes, verwirrtes Gesicht seiner Tochter zu. “Was?”

Grummel. Was soll das denn sein? Bei allem Streß, der Mann ist hübsch? Oder wie oder was soll uns hier gesagt werden.

Es ist nur ein Beispiel von vielen. So etwas, mir vollkommen unpassend erscheinendes, steht hier ständig und überall geschrieben. Flache Attribute an den merkwürdigsten Stellen. Ganz nebenbei handeln die Haupt- und Nebenfiguren meist sehr vorhersehbar. Nö, ich habe wirklich keine Lust mehr auf Romane von Jefferey Deaver. Mögen die Fälle noch so interessant sein, da gibt es tonnenweise guter Alternativen.