Katharina Hagena – Der Geschmack von Apfelkernen

Cover - Der Geschmack von ApfelkernenSeit dieser kleine Roman in der Bibliothek zur Verfügung stand, bin ich immer so ein wenig darum herum geeiert. Letztes Wochenende war es dann soweit. Ich habe mir Katharina Hagenas “Der Geschmack von Apfelkernen” ausgeliehen.

Eine junge Frau kehrt zurück in ihr Heimatdorf. Anlass ist die Beerdigung der Oma, welche nach Jahren im Pflegeheim verstorben ist. Und mit der Heimkehr in dieses kleine Dorf, vielleicht irgendwo an der Oste, der Geeste, eventuell aber auch am Flögelner oder Beerster See gelegen, kehren auch die Erinnerungen zurück. Verstärkt wird dieses noch durch die, kurz nach der Beerdigung bekanntgegebene, Erbschaft des Hauses der Oma. Mit jedem Schritt, mit jedem Gespräch wie jenem, in dem ihr der ehemalige Dorflehrer Herr Lexow Überraschendes erzählt, wird die Vergangenheit lebendiger. Die Erinnerungen sind nicht immer nur anheimelnd, sie erinnert sich auch an vergangene Dinge, welche von Trauer bestimmt sind. Doch zu Anfang bleiben dieses schmerzhaften Erinnerungen dem Leser verborgen, nur langsam gewinnen die Geschehnisse vergangener Tage an Gestalt.

Die Schilderungen des Dorfes, der Umgebung und vor allem des alten Hauses mit seinem wunderschönen Garten sind einfach… naja, unbeschreiblich gut gelungen. Langsam aber sicher entsteht im Kopf des Lesers ein genaues Bild, man beginnt das Haus zu spüren, die beschriebenen Gerüche zu riechen, die Romanfiguren werden zu realen Personen, die Ausstrahlung des Beschriebenen wird deutlich. Wenn ich nur daran denke rieche ich sofort die Äpfel.

Und um diese geht es auch. Um Äpfel, um das Fallen, welches in der Familie liegt und darum, dass das Fallen endlich aufhören muss. Um Erinnerungen und um den Umgang mit Schmerz. Und wer aß die Äpfel mitsamt den Kernen? …. nicht zuletzt geht es auch um die Liebe in vielen Facetten.

Eine tolle Erzählung, sicherlich eines der schönsten Bücher das ich jemals gelesen habe.

Katharina Hagena – Der Geschmack von Apfelkernen
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch Verlag
ISBN-10: 3462039709
ISBN-13: 978-3462039702

The Age of Stupid – Das Zeitalter der Dummheit

“The Age of Stupid” – Das Zeitalter der Dummheit, so heißt ein faszinierender Film von Franny Armstrong. Im Jahre 2055 lebt ein einsamer Mann (umwerfend: Pete Postlethwaite) in einer verwüsteten Welt. Beim Betrachten “alter” Berichte und Reportagen aus dem Jahre 2008 dreht sich sein Denken vor allem um die Frage: “Warum haben sie den Klimawandel nicht gestoppt als sie noch die Gelegenheit dazu hatten?”.

Tja…. warum?

Postdemokratie

Laut Wikipedia:

Postdemokratie bezeichnet ein politisches System, in dem es nicht auf die Beteiligung der Bürger (als Input gesehen), sondern nur auf Ergebnisse ankommt, die dem Allgemeinwohl dienen und dem Kriterium der Verteilungsgerechtigkeit genügen (Outputorientierung). In Bezug auf kollektiv verbindliche Entscheidungen wird dabei demokratischen Verfahren nur instrumentelle Bedeutung zugemessen. Sie erscheinen nützlich, wenn und insofern Mehrheitsentscheidungen oder demokratisch kontrollierte hierarchische Entscheidungen geeignet sind, allgemeinwohlorientierte Politik hervorzubringen.

(…)

Hervorhebungen sind meiner Meinung nach nicht notwendig. Das “dem Allgemeinwohl dienen” und “der Verteilungsgerechtigkeit genügen”, dass wird hier in Deutschland auf das Sträflichste ignoriert. Dumm auch, dass bei uns alle Negativauswirkungen mit voller Wucht zuschlagen, als da beispielsweise wären:

  • Verfall politischer Kommunikation
  • exklusive Privilegien weniger
  • scheinbarer Verlust von Klassen
  • (…)

Wer kann denn, die Fähigkeit zum Nachdenken und Hinterfragen, sowie den Willen zum Erhalt einer Werte-, Sozial und Solidargemeinschaft vorausgesetzt, so etwas wollen und wünschen?

Literaturauswahl

Colin Crouch – Postdemokratie, 2009, Suhrkamp, ISBN 3-518-12540-0
Wolfgang Fach – Das Verschwinden der Politik , 2008, Suhrkamp, 3-518-12530-3
Christoph Möllers – Demokratie, Zumutungen und Versprechungen, 2008, Wagenbach, 3-803-12580-4
Dirk Jörke – Warum Postdemokratie? In: Forschungsjournal Neue soziale Bewegungen 19, Heft 4. 2006
Claudia Ritzi, Gary S. Schaal -  Politische Führung in der “Postdemokratie”, in: APuZ 2-3/2010, S. 9–15

Internet

Im Schatten der Macht – Thomas Assheuer auf zeit-online
Die Wahl der Wahl – Georg Seeßlen bei derFreitag
Die Gefahr für unsere Demokratie geht nicht von den Armen, sondern von der Armut aus – Wolfgang Lieb, nachdenkseiten

Ein Wort zu den Kandidaten – Gefunden in der FAZ

Nils Minkmar schreibt heute in der FAZ zu den Kandidaten Wulff und Gauck unter anderem Folgendes:

Wulff, das sei empfindlichen Gemütern als Warnung mitgegeben, verträgt man besser, wenn man Gauck ignoriert. Wagt man aber den Schritt, zu Gaucks Erinnerungen zu greifen oder sich eine seiner vielen, auf Youtube verfügbaren Reden anzusehen, kommt der Schock: So geht das also auch?

Und dann geht es einem, wenn man Wulff betrachtet, nicht gut.

Im ersten Moment will sich ein Grinsen breitmachen. Und im nächsten Moment ist dieses fort… so wahr es ist, so bitter ist es auch.