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Columnaris

KrankheitenAm 27.12.2006 wurde der erste Schilfsalmler (Hyphessobrycon elachys) mit einer hellen, leicht rosa schimmernden Stelle am vorderen Ansatz der Rückenflosse festgestellt. Die Schilfsalmler schwimmen in einem 200ltr. Becken, zusammen mit einigen Apistogramma guttata und sieben sehr kleinen L399. Ein Fehler welcher von mir nur zu gern gemacht wird, diese kleine Stelle wird als Verletzung abgehakt. Immerhin führt eines der A. guttata Weibchen Jungfische und verteidigt diese verbissen. Am 31.12.2006 sind drei weitere Schilfsalmler betroffen, ebenfalls im Bereich der Rückenflosse, einem fehlt die obere Hälfte der Schwanzflosse, der Rest sieht wie von Flossenfäule befallen aus. Alarm, und das eigentlich viel zu spät.

Nach Rücksprache mit meiner Frau (kenn ich mich denn aus?) und Nachschlagen im aktuelle Untergasser [1],sowie einem Buch von Petra Kölle [2] wird die Diagnose gestellt, Columnaris.

Jetzt gilt es, einige Fragen zu beantworten:

Was ist Columnaris?

Columnaris ist, einfach dargestellt, eine Infektion mit Flavobacterium psychrophilum (früher Flexibacter columnaris). Es gibt zwei Verlaufsarten, abhängig davon, mit welchem Stamm die Fische infiziert wurden. Die harmlosere Variante verläuft ruhig, die Infektion der Fische schreitet langsam voran, man hat Zeit Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Die zweite Variante ist schlicht und ergreifend zum Ko****. Die Infektion haut innerhalb von ca. 36 Stunden die Hälfte aller Fische im Becken um, es ist kaum Zeit einzugreifen.

Woher kommt Columnaris?

Eine Columnarisinfektion hat verschiedene Ursachen. Vor einiger Zeit war Columnaris vor allem ein Problem der Importeure und Händler. Es steht geschrieben das heutzutage davon auszugehen ist, das kaum ein Aquarium frei von den Erregern ist. In wieweit dieses zutrifft, entzieht sich meiner Kenntnis, Tatsache ist aber, hier hat der Erreger zugeschlagen.

Für den Ausbruch der Columnaris Krankheit gibt es unterschiedliche Ursachen, diese haben meist mit ungünstigen Hälterungsbedingungen zu tun. Ursache können sein:

  • Zu schnelles Umsetzen der Fische ohne ausreichende Anpassung an das Wasser im neuen Becken (Osmotisch bedingte Schäden)
  • Verletzungen der Haut
  • Schlechte Wasserqualität
  • Viel Ammoniak
  • ein hoher pH-Wert
  • einseitige Ernährung, minderwertiges Futter
  • eine geringe Sauerstoffkonzentration

Wie behandle ich Columnaris?

NICHT durch die Erhöhung der Temperatur! 28° bis 30°C stellen für Flavobacterium psychrophilum die optimale Temperatur dar. Deshalb ist bei bakteriellen Infektionen erst nach gesicherter Diagnose ein wirklicher Behandlungstipp möglich. Der oftmals gern gegebene Rat: “Temperatur erhöhen, Salz ins Becken!” wäre im Falle einer Infektion mit Columnaris katastrophal.

Als Sofortmaßnahmen zur Behandlung können genannt werden: Absenken des pH-Wertes auf unter 7,0; Absenken der Temperatur. Dadurch wird die Verbreitung gemindert, nicht aber verhindert!

Nun ist es Zeit für schwerere Geschütze. Glücklich, wer “Baktopur direct” im Haus hat. Untergasser empfiehlt 2-4 Tabletten auf 100ltr. Wasser. Die Fische vertragen “Baktopur direct” recht gut, ich persönlich gehe mit der Dosis lieber ans obere Limit. Dabei wird die Behandlung durch das Ausschalten der Beckenbeleuchtung unterstützt, der in “Baktopur direct” enthaltene Wirkstoff Nifurpirinol ist lichtempfindlich, er zersetzt sich relativ schnell.

Die Behandlung wird fünf bis sieben Tage lang durchgezogen. Dabei ist Folgendes unbedingt zu beachten:
Nifurpirinol haut alle Bakteien im Becken weg. Am drastischten sind die Auswirkungen auf die Filterbakterien, hier bleibt Dir nur “Sag zum Abschied leise Servus” zu säuseln. Das bedeutet aber NITRIT-ALARM! Es bleibt Dir nichts anderes übrig als regelmäßig Nitrit zu messen. Steigt der Wert bedenklich, dann ist die Behandlung abzubrechen. Als Sofortmaßnahme muss ein großer (und ich meine wirklich GROSS!) Wasserwechsel durchgeführt werden. Den Nitritwert wirst Du jetzt einge Wochen lang regelmäßig prüfen müssen. Auch bei einer erfolgreichen Behandlung gegen Flavobacterium psychrophilum sind die Filterbakterien hinüber und es dauert Wochen bis das Becken wieder stabil läuft.

Läuft die Behandlung gut, dann empfiehlt es sich, nach zwei-drei Tagen mit “Baktopur direct” nachzudosieren um die Konzentration von Nifurpirinol hoch zu halten. Nach sieben Tagen ist dann ein großer Waserwechsel fällig, diesen würde ich dann alle drei bis vier Tage durchführen um den Wirkstoff aus dem Wasser zu bekommen. Der Nitritwert ist weiterhin regelmäßig zu prüfen. Die Wahrscheinlichkeit dass es zu einem Nitritpeak [3] kommt ist sehr groß.

Weiterhin ist eine Behandlung mit Acryflavin möglich, dieses habe ich derzeit nicht zur Verfügung und kann somit auch keine Erfahrungen mitteilen.

Welche Auswirkungen hat Columnaris auf meine Fische?

Die Symptome unterscheiden sich, je nachdem welchen Stamm des Erregers man erwischt hat. Im schlimmsten Fall breiten sich infizierte Stellen schnell aus, der Fisch stirbt innerhalb kürzester Zeit und das kann sich schon im Bereich von zehn Stunden abspielen. Des weiteren wurden beobachtet:

  • mehr oder weniger weiße Stellen/Belege
  • weißgesäumte Schuppen
  • Flossenschädigungen
  • verblasste Farben
  • Maulschimmel/Verpilzungen, Geschwulste im Bereich des Mauls
  • weiterhin Appetitlosigkeit, Schwimmstörungen,
  • als Sekundärinfektion watteartige Beläge

Welche Auswirkungen hat die Behandlung gegen Columnaris auf meine Fische?

Negative Folgen der Behandlung mit Nifurpirinol sind nicht bekannt.

Wie kann ich Columnaris vorbeugen?

Eigentlich kann ich mir viele Worte sparen. Haltet die Wasserqualität hoch, sorgt für eine ausreichende Sauerstoffsättigung des Wasser, setzt neue Fische langsam und mit ausreichender Gewöhnung an das Aquarienwasser ein, abwechslungsreiches und qualitativ hochwertiges Futter usw. usf.

Und wie verlief dieser konkrete Fall?

Am 31.12.2006 habe ich mit der Baktopur direct Behandlung begonnen. Die noch vorhandenen fünf Tabletten wurden mittels eines Mörsers gründlich pulverisiert und in lauwarmen Wasser aufgelöst. Das ist eine ziemliche Rührerei, denn die Tablette lösen sich nur schwer auf. Durch den Mörser ging es aber recht zügig voran. Diese gelbe Brühe habe ich dann in das Becken gegeben. Gleichzeitig wurde das Licht ausgeschaltet und die Temperatur auf 26°C eingestellt. Da müssen die Welse jetzt durch.

01.01.2007 - Die Nitritmessung ergibt einen Wert von knapp 0,025 mg/L, das ist absolut harmlos und kann vernachlässigt werden. Mal schauen wie es sich entwickelt. Gegen Abend wurde ein wenig Frostfutter gegeben. Das Licht ist weiterhin aus. Die Seite des Beckens, welche direkt an weitere Aquarien angrenzt habe ich noch mit etwas Zeitungspapier abgeklebt.

02.01.2007 - Heute Morgen im Nachbarort eine neue Schachtel Baktopur direct geholt. Morgen wird ein großer Wasserwechsel durchgeführt - 70 bis 75% - und dann entsprechend mit dem Medikament nachdosiert. Wenn alles gut klappt ist die Behandlung am 06.01. abgeschlossen.

03.01.2007 - Mit der Taschenlampe ins Becken gefunzelt. Es scheint alles in Ordnung zu sein. Die Brutpflegende Apistogramma guttata Dame ist noch immer gelb und bewacht die Lütten. Viele sind es allerdings nicht mehr, wenig verwunderlich, es ist die erste Brut. Der Nitritwert liegt laut Tropfentest fast niedriger als vorgestern, irgendwo zwischen 0 und 0,025 mg/L. Das sieht doch alles ganz gut aus.

04.01.2007 - Wasserwechsel! Und das bei Licht, ich will die Hyphessobrycon riesei nicht zwingend mit absaugen. Der Nitritwert war unverändert, dieses Becken veratmet eine ganze Menge. Das bedeutet aber auch, dass das Medikament ebenfalls recht zügig abgebaut wird. Bestandsaufnahme! Die Schilfsalmler sind vollzählig, nur noch einer zeigt an der Rückenflosse eine - deutlich kleinere - weiß/rötliche Stelle. Bei dem Rest ist nichts mehr erkennbar. Der 70% Wasserwechsel ist schnell gemacht, ich dosiere das Baktopur direct natürlich nach, drei Tabletten auf 100ltr. Wasser. Laut Packung ist eine Tablette auf 50ltr. einzubringen, Laut Untergasser 1-2 Tabletten. Die Mitte machts.

07.01.2007 - Alles ist gut. In den vergangenen Tagen blieb alles ruhig. Die Wasserwerte blieben stabil, nichts ist passiert. Heute Morgen habe ich dann endlich wieder Licht im Becken gemacht. Und? Nichts! Keine Spur von Columnaris. Allerdings, aber damit habe ich auch gerechenet, keine Spur von den kleinen guttatas. Für die war die Geschichte wohl zu heftig. Aber so ist das nun mal. Außerdem hat das Weibchen schon wieder einen guten Laichansatz.

Nach dem heutigen 80% Wasserwechsel und der Dauerbeleuchtung sollten die letzten Reste des Baktopur direct bald verschwunden sein. Jetzt gilt es nur noch das Wasser im Auge zu behalten, schließlich dauert es ein wenig, bis sich wieder eine gesunde Bakterienfauna einstellt

[1] Dieter Untergasser, Krankheiten der Aquarienfische, ISBN-13: 978-3-440-10264-0 -=zurück=-
[2] Petra Kölle, Fischkrankheiten, ISBN-13: 978-3-440-08249-2 -=zurück=-
[3] Das Phänomen Nitritpeak, Gastbeitrag von Dr. Gerd Kassebeer auf Aquaristik ohne Geheimnisse -=zurück=-

Anmerkung von Corina Schlemm (Coeke)
Acryflavin hilft gegen Columnaris nur im “harmlosen” Zustand. Es wird aber bei akuter Columnaris neben Antibiotika eingesetzt, dadurch wird der Heilungsprozess beschleunigt. Dieses dient der Behandlung sekundärer Infektionen, welche bei verwundeter Schleimhaut in durchaus kürzester Zeit auftreten können. Antibiotika helfen gegen Sekundärinfektionen nicht!Im Prinzip würde ich Acryflavin mit jeder Antbiotikagabe zusätzlichen anwenden, zumindest wenn bakterielle Schleimhautverletzungen vorliegen. Igitt, musst mal einen Hautabstrich von einem bakteriell geschädigtem Fisch nehmen und mikroskopieren. Da wuseln sie dann rum, diese kleinen fressenden Monster, namens Tetrahymena sonstwas.

Nachdem ich Antibiotika auf den Abstrich gegeben habe passierte nichts. Acryflavin fanden sie hingegen nicht lustig und waren recht schnell platt. So, dass kann ich natürlich nicht wissenschaftlich belegen, es sind nur Erfahrungen aus der Zeit voller Tatendrang, als ich alles ganz genau wissen wollte und nichts geglaubt habe, was ich nicht selber sehen oder beobachten konnte.