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Aufzuchtfutter

Nun ist es passiert. Deine Apistogramma sp. „Schönster auf der Welt“ haben nicht nur ein Gelege produziert, nein, plötzlich zuckt und wimmelt es im Bereich des Geleges. Das sieht doch sehr nach Nachwuchs aus. Der anfänglich euphorisch-fröhlichen Stimmung folgt die Überlegung “Was nun?“. Alle Bedenken und Vorbehalte beiseite lassend – stand da nicht jüngst im Forum, es wäre gar nicht mal so einfach Apistogramma sp. „Schönster von der Welt“ unter die Leute zu bringen – man ist ja nun Papa/Mama, sollen die Kleinen nun auch ordentlich wachsen. Das bedeutet, es muss entsprechendes Futter herbei geschafft werden. Welche Möglichkeiten gibt es dabei für den hoffnungsvollen Freizeit-Vermehrer?

a. Artemia-Nauplien

Die Nauplien der Artemia können wohl mit Fug und Recht als das Nummer “Eins” Futter bezeichnet werden. Alle mir bekannten Zwergbuntbarscharten nehmen die Nauplien gern, unschwer zu erkennen an den, unmittelbar nach der Fütterung, rosa Bäuchen. Und wie geht das? Erstaunlich unspektakulär:

Die Würstchenglas Methode

Man nehme ein großes Würstchenglas, Inhalt ca. 1ltr, hohe, relativ schlanke Formen haben sich hier bewährt. In dieses Glas werden drei gut gehäufte Teelöffel Salz (einfachstes Siedesalz, ohne Jod und Fluor Zusatz; Trennmittel haben hier das Ergebnis nicht spürbar verschlechtert) und ein knapper Liter Wasser getan. Anschließend wird ein Ausströmer angeschlossen, ein viertel bis ein halber Teelöffel Artemia-Eier [1], abschließend vielleicht ein Stückchen Frischhaltfolie oben drüber um die Schweinerei durch das salzhaltige Spritzwasser zu reduzieren und warten.

Nach 24-36 Stunden, die Schlupfzeit ist vor allem von der Zimmertemperatur abhängig, sind die Nauplien geschlüpft und können verfüttert werden. Nur, wie in drei Teufels Namen bekomme ich diese jetzt aus dem Glas? Auch gilt, je einfacher, desto besser!

In der Apotheke Deines Vertrauens gibt es für kleines Geld Kunststoffspritzen mit 20cm³ Inhalt. Hier zahle ich keine 20 Cent je Spritze. Auf diese Spritze wird ein Stück Luftschlauch gesteckt. Du klemmst den Ausströmer ab und lässt das Glas einfach einige Minuten stehen [2]. Die Hüllen steigen an die Oberfläche, die Nauplien sammeln sich am Boden des Glases. Diese kannst Du jetzt mit der Spritze aufziehen. Und schon, was wäre das Leben langweilig, stößt Du (hoffentlich) auf die nächste Hürde… das ist doch Salzbrühe, kann ich die so ins Becken…? NEIN! Du benötigst ein weiteres Tool, ein Artemia-Sieb. Diese gibt es im Handel oder bei Gerd.[3]

Den Inhalt der Spritze leerst Du in das Sieb Deiner Wahl. Das Wasser tropft ab und es wimmelt. Da an den Nauplien nach eine ganze Menge Salz hängt, werden diese jetzt unter fließend Wasser vorsichtig abgespült. Es folgt die letzte Hürde: Wie krieg ich die Nauplien ins Becken und an den hungrigen Jungfisch?

Auch das klingt komplizierter als es letztendlich ist. Wir nehmen hier immer so eine kleine Dessertschale, füllen nur ganz wenig Wasser ein und stellen das Artemia-Sieb in dieses Wasser. In dem Sieb herrscht nun ein Wasserstand von vielleicht einem Zentimeter, die Nauplien sammeln sich am Boden des Siebes. Jetzt ziehst Du die Nauplien auf die Spritze und kannst diese sehr vorsichtig in die Nähe der Minis geben, im Idealfall mitten in den Schwarm. Aber etwas Fingerspitzengefühl bitte!

Es gibt viele alternative Methoden um Artemia-Nauplien zu erzeugen, der Handel hält Schüsseln und Inkubatoren bereit, ist der Bedarf an Nauplien sehr groß, lohnt es sich über den Bau einer kleinen Station nachzudenken, in welcher zwei, drei oder mehrere Flaschen vor sich hin brodeln. Die unterschiedlichen Arten werden hier nicht diskutiert, hier soll nur ein einfacher Weg für den Einsteiger aufgezeigt werden.
Zusammenfassend, Du benötigst:

  • Artemia-Eier (zu Qualitäten, Bezugsquellen etc. foltere mal die Forensuche)
  • Ein Glas
  • Salz ohne Fluor oder Jod
  • Ein Artemia-Sieb
  • Eine Einwegspritze
  • Etwas Luftschlauch
  • Eine Durchlüfterpumpe mit Schlauch und kleinem Ausströmer

b. Mikrowürmchen

Die so genannten Mikrowürmchen stellen ein gutes Ergänzungsfutter zur Aufzucht von Jungfischen dar. Diese, nur wenige Millimeter großen Würmchen lassen sich ohne allzu großen Aufwand vermehren und verfüttern. Aber wie funktioniert das nun wieder? Ganz einfach!
Zuallererst benötigst Du einen Zuchtansatz dieser kleinen Wuselviecher (Als Zweites die nötige persönliche Härte, baue niemals eine Beziehung zu Tieren auf, welche Du später verfüttern willst). Diese kann man durchaus ganz einfach per Nachfrage in Aquarienforen erhalten, oftmals schon gegen die Erstattung der Portokosten, eventuell ist ein kleiner zusätzlicher Obolus vonnöten. Weiterhin gibt es eine ganze Reihe von Händler, auch im Internet, welche Mikrowürmchen- und viele andere Futtertieransätze anbieten.

Woher auch immer Dein Ansatz kommt, es sieht ziemlich, na ja, nennen wir es mal �speziell� aus. Pack ihn aus, den Geruch wirst Du dem Rest Deiner Familie schon noch schönreden, und glaub es einfach, ein Pantoffeltierchenansatz auf Kohlrabibasis ist da noch eine ganz andere Nummer…. Spaß beiseite, tatsächlich riecht es gar nicht so schlimm. Und jetzt ab mit der Matsche ins Becken. STOP, das war Blödsinn! Mach das bloß nicht, hinterher musst Du neue Fische kaufen gehen.

Die Mikrowürmchen benötigen einen Nährboden. Hier gibt es die vielfältigsten Rezepte, Milch, Kondensmilch, Haferflocken, alte Brötchen, Hefe, Wasser sind potentielle Zutaten. Eine relativ unkomplizierte, geruchsarme und einfache Möglichkeit praktiziere ich: In einen gut gereinigten Behälter, zum Beispiel diese Sahneheringtöpfe eines bundesweit operierenden Discounters, wird ca. 1,5 bis 2cm hoch Paniermehl eingefüllt. Dazu Wasser, so das ein recht zäher Brei entsteht. Probiere ruhig etwas herum. Es sollte nur nicht zu dünnflüssig sein. Auf diesen Nährboden kannst Du jetzt einen Teil des Ansatzes schmieren. Abschließend kann man noch ein wenig (wenig!) Trockenhefe auf das ganze Gemansche stäuben, diese beschleunigt die Vermehrung der Würmchen.

Warum nur einen Teil? Es ist immer sinnvoll zwei oder mehrere Ansätze parallel laufen zu lassen, es kann ja durchaus sein, das Dir ein solcher Mikrowürmchenansatz aus irgendwelchen Gründen umkippt. Dann werden die Behältnisse beiseite gestellt, bei mir stehen die in einem Ostfenster auf der Fensterbank. Der Deckel wird lose auf den Behälter gelegt. Ein wichtiger Punkt den ich vorhin noch nicht erwähnte, die Behälter sollten verschließbar sein. Warum siehst Du gleich. Jetzt heißt es erst mal warten, die Mikros müssen sich vermehren. Und nach einigen Tagen (sei geduldig!) wuselt die ganze Oberflache Deines Nährbodens.

Und nun die große Parallele zu den Artemia-Nauplien, wie kommt das Futter an den Fisch? Du sorgst dafür, dass es den Mikros schlecht geht! Einige Zeit vor dem Fütterungstermin kommt der Deckel fest auf den Ansatz. Mach das Ding dicht. Den Mikros wird der Sauerstoff knapp und sie beginnen an den Wänden des Behälters nach oben zu kriechen. Nachdem Du den Deckel wieder entfernt hast, kannst Du sehr bequem Mikros zum Verfüttern entnehmen.

Dabei ist der Einsatz eines kleinen Werkzeuges recht hilfreich. Mittels eines Pinsels, oder wie bei uns mit einem einfachen Messer aus diesen Plastikbesteck-Sets können die Würmchen einfach von der Wand abgestreift und verfüttert werden. Bitte achte darauf, dass Du möglichst nichts von dem Nährboden mit in das Becken gibst.

Wie geht es mit dem laufenden Ansatz weiter? Ab und zu, vielleicht ein bis zweimal pro Woche gebe ich ein wenig ( ganz im Ernst, “wenig” ist wirklich Ernst gemeint) Trockenhefe auf den Ansatz. Mit der Zeit verflüssigt sich der Nährboden, das schmälert die Qualität dieses Futters aber nicht. Achte nur darauf, dass Du rechtzeitig einen neuen Behälter vorbereitest und mit einem Teil aus einem laufenden Ansatz impfst. Die Standzeit eines gut laufenden Ansatzes beträgt durchaus viele Wochen wenn nicht Monate.

Zwei Hinweise zum Schluss. Es ist durchaus möglich die Mikrowürmchen zu boosten, also anzureichern und dadurch den Nährwert zu erhöhen. Dazu kann man beispielsweise Paprika-, Spirulina-, oder Brennnesselpulver in den Ansatz mischen oder aufstäuben. Die Mikros nehmen diese Pulver teilweise auf. Optisch natürlich auch ein ganz anderer Schnack, Mikrowürmchen in den aktuellen Herbstfarben…. Beachte bitte, diese Würmchen sind nicht als Allein- oder Dauerfutter geeignet, dazu ist deren Fettgehalt zu hoch. Aber eine Fütterung am Tag kann so durchaus vorgenommen werden.

Zusammenfassend, Du benötigst:

  • Einen Ansatz Mikrowürmchen
  • Zwei oder mehr Behälter mit dicht schließendem Deckel
  • Paniermehl (alternativ Haferflocken o.a.)
  • Wasser (alternativ Milch o.ä.)
  • Trockenhefe

c. Nobil-Fluid

Eine recht gut funktionierende Notfalllösung. Nobil-Fluid ist ein Produkt von JBL. Sicherlich gibt es von anderen Herstellern alternative Produkte (Hoy Hersteller, ich kenne Ihr Produkt nicht, benötigen Sie eine Postanschrift? ). Zu einem wirklich moderaten Preis erhält man eine kleine Kunststoffflasche. Der Inhalt von besteht aus 50ml Flüssigfutter aus lt. Hersteller:

  • Mit Artemia-Krebs Bestandteilen für besseres Wachstum
  • Ultrafeines Homogenat aus über 50 natürlichen Rohstoffen
  • Mit speziellem Multivitaminkomplex und stabilisiertem Vitamin C

Was sich auch immer genau in diesem Flüssigfutter befindet, es funktioniert. Wichtig ist hier die Dosierung. Habe ich z.B. ein Apistogrammaweibchen welches ca. 80 sehr kleine Jungfische führt, mixe ich fünf bis sieben Tropfen Nobil-Fluid mit einer Messerspitze dekapsulierte Artemia (Was ist denn das jetzt wieder? Kommt noch, Geduld! Es ist immer dann wichtig wenn mal wieder alle Lebendfutteransätze zusammengebrochen sind und irgendwer die Artemia-Gläser umgeworfen hat), eventuell noch ganz wenig Mikrozell (jahaaaa…. gleich) und gebe diese Mischung zwei- bis dreimal am Tag.

d. Dekapsulierte Artemia
Lassen sich ebenfalls im gut sortierten Fachhandel erwerben. Hier handelt es sich um Artemia-Nauplien, welchen im getrockneten Zustand die Zysten entfern wurden. Wie das genau geschieht erläutere ich hier nicht. Wer intensiv recherchiert, wird im Internet auf eine Methode stoßen, welche von einigen Menschen erfolgreich praktiziert wird.

Eine Messerspitze mit diesen dekapsulierten Artemia in ein Glas gegeben, ein wenig Wasser drauf und nach einem Moment lassen sich diese nach der bei den Artemia beschriebenen Methode verfüttern.

Tipp:
Kauft bloß nicht so furchtbar viel von diesem Futter, es ist sehr ergiebig und man schmeißt schnell zuviel davon ins Becken.

e. Mikrozell

Dieses verwende ich zum Boosten, also Aufwerten von Nauplien, selbstgemischten Jungfischfutter und lebenden Wasserflöhen.
Mikrozell wird unter dem Handelsnamen Hobby vertrieben. Es handelt sich hier um feinstes Phytoplankton in Pulverform. Die Verpackungseinheit (kleine Kunststofftöpfchen) enthält 20 ml und auch dieses Produkt reicht ewig und drei Tage, wir holen nur ab und an eine neue Packung da meist das Verfallsdatum abgelaufen ist bevor wir alles verbrauchen konnten. Eigentlich dient Mikrozell als Aufzuchtfutter für junge Artemia-Nauplien.

f. Mulm

Wie jetzt, Mulm? Was soll das heißen, Mulm? Spinnt der jetzt komplett? Nein! In einem gut eingefahrenen Becken befindet sich einiges an Mulm. Und dieser Mulm enthält jede Menge Leben. Leben welches so klein ist, dass es leider leider als Futter für kleinste Fische herhalten muss. Mulm ist die Heimat vieler Kleinstlebewesen, Infusorien etc. welche unseren kleinen nachgezogenen Fischen durchaus nicht nur über die Runden helfen sondern diese eine Zeit lang gut ernähren kann.

g. Wie geht es weiter?

Sind die Lütten aus dem allergröbsten heraus, kann langsam mit der Gabe von anderen Futtersorten begonnen werden. Anfangs mit Bosmiden und Cyclops beginnend, werden Deine Jungfische irgendwann auch in der Lage sein, Artemia, Mückenlarven und anderes Futter aufzunehmen.

[1] Tatsächlich gibt es keine Artemia-Eier! Es handelt sich um Zysten, aber da sich “Eier” allgemein durchgesetzt hat, verwenden wir den Begriff auch weiterhin.
[2] An anderer Stelle im Netz habe ich von durchaus vertrauenswürdigen Aquarianern Aussagen gelesen, welche im Fazit sagten, das die Nauplien ohne die Durchlüftung nach wenigen Minuten sterben. Das kann ich nicht bestätigen. Auch nach 30 Minuten sind die hier quietschfidel.
[3] Artemia-Siebe der Firma Dohse werden unter dem Handelsnamen “Hobby” vertrieben. Gerd Arndt bietet hervorragende Siebsätze auf www.aquarienbastelei.de an.
[4] Aquaristik im Detail, ein Forum in welchem man sich bemüht hinter die Vorhänge der Aquaristik zu schauen.

Kommentare

Pingback von Netzgeist » Verlernte Brutpflege
Zeit: 29. Juli 2007, 16:34

[...] Ungeeignetes Aufzuchtfutter [...]

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